Chronik von 1820 bis 1829

1820
Der Winter trat früh ein, und die Kälte war strenge; übrigens war dies ein recht fruchtbares Jahr, welches viele und mancherlei Produkte lieferte. Die Kornpreise standen ziemlich niedrig. Der Scheffel Roggen galt 30 mgr, der Scheffel Gerste 24 mgr und der Sch. Hafer 15 mgr. In diesem Jahre war dahier die Fabrik irdener Pfeifen im Gange, welcher der Fabrikant Christian Ziegler (....., hier fehlen einige Seiten in der Chronik; sie fährt fort mit dem Jahre)

1823
Der grüne Roggen, der durch Mäusefraß viel gelitten hatte, erholte sich wieder mit dem Anfange des neuen Jahres. Die Kälte war außerordentlich herbe und anhaltend, dabei wenig Schnee. Da der vorhergehende Sommer und Herbst mit dem Anfange des Winters ungewöhnlich trocken waren, so herrschte ein großer Wassermangel, wobei die hiesige Quelle, welche sich unten im Dorfe befindet, wiederum stets Wasser lieferte. Ende Februar und Anfang März fiel häufiger Schnee, dann noch in demselben Monate erfolgte Regen und Thauwetter. Der Frühling war kalt und unangenehm, selbst im Anfange Mai gab es Frost. Der Mangel an Stroh und Fütterung war in diesem Frühling recht fühlbar. Zur Zeit der Sommersaat war die Witterung gut. Die Erndte war vorzüglich gut und reichlich, nur der Wintersamen war in dem strengen Winter erfroren; dagegen gab es außerordentlich viel Buch, welches theis zu Oel, theils zur Mastung benutzt wurde. Auch gerieth der Flachs recht gut. Durch die gesegnete Erndte fielen die Kornpreise bedeutend, da selbe in diesem Sommer für den Landmann erwünscht waren. Der Roggen galt da p. Scheffel 1 rt 7 Sbgr, die Gerstze 1 rt, der Hafer 22 Sbgr.

Der Ortsbeamte Sprenger

Noch ist hier zu erwähnen der Tod des Papstes Pius des VIIten, welcher erfolgte am 20 August, wo der Verklärte im 82sten Jahre seines Lebens und im 27sten Jahre seiner päpstlichen Würde diese Erde verließ. Am 27sten September erfolgte die Wahl eines neuen Papstes, der den Namen Leo XII annahm.

1824
In den ersten Monaten war das bisher betriebene Bergwerk wieder aufgegeben. Im Spätherbste wurde eine Pottaschen-Fabrik durch den Martin Sprenger angelegt. Die Kornpreise standen außerordentlich niedrig, der Roggen galt p. Scheffel circa 10 Sgr, die Gerste ca. 7 Sgr.
Bei diesen niedrigen Kornpreisen kam den hiesigen Einwohnern der schon früher stark betriebene Flachs-Anbau gut zu statten. Sie wurden durch denselben in den Stand gesetzt, ihre nöthigen Ausgaben zu bestreiten, und fingen auch von nun an, denselben zu erweitern.

Der Ortsbeamte Sprenger

1825
wurde am Kirchhofe ein Häuschen erbaut zur Aufbewahrung der Feuerspritze und der übrigen zur Feuerversicherung dienenden Gerätschaften. - Der Sommer war sehr trocken mit großter Hitze, woher es kam, daß der Flachsbau nicht erwünscht ausfiel.
Am 11. August erfolgte der Tod des geliebten Fürstbischofs Franz Egon im 89sten Jahre seines ruhmvollen Lebens; und am 10ten November wurde der bisherige General Vikar von Hildesheim, namens Friedrich Clemens, Freiherr v. Ledebur, zum Bischofe von Paderborn erwählt. - Die Kornpreise waren bisher etwas gestiegen. Der Roggen galt p. Scheffel ca. 17 Sgr, die Gerste ca. 13 Sgr.

Der Ortsbeamte Sprenger

1826
wurden an den beiden Eingängen zum Kirchhofe hölzerne Pforten angebracht. - Am 30. Juli nahm das von Sr. päpstlichen Heiligkeit Leo XII ausgeschriebene Jubiläum den Anfang. Am 28 Oktober erfolgte die Consecration des im vorigen Jahre erwählten hochwürdigsten Bischofs. - Die Kornpreise waren mehr gestiegen. Der Roggen galt p. Scheffel ca. 27 Sgr, die Gerste ca. 19 Sgr.

Der Ortsbeamte Sprenger

1827
herrschte gegen das Frühjahr unter den Kindern das Scharlachfieber, woran viele derselben starben. Wegen dieser Krankheit wurde 14 Tage lang keine Schule gehalten. In dem vergangenen Winter lag ungewöhnlich tiefer Schnee, besonders im Februar. Im Frühjahre wurde auf dem Wege nach Madfeld mit der Anpflanzung einer Allee der Anfang gemacht, die der Herr Förster Mergell dirigierte. - Im Sommer wurde in hiesiger Kirche der Altar, sowie auch die Türen mit Bekleidung, an der Sakristei und die Kanzel mit verschiedenen Oelfarben angestrichen und bemalt. - Am 8ten Oktober fiel in der Nacht ein Ackermann, namens Heinrich Hesse, vulgo Müermann, aus der Bodenluke todt. - Im Herbst wurde der Förster Mwergell nach Husen, ins Canton Atteln, versetzt, und die hiesige Försterstelle blieb eines eigentlichen Försters entledigt. Die Kornpreise standen ziemlich hoch. Der Roggen galt p. Scheffel 1 rt 3 Sgr, die Gerste 19 Sgr.

Der Ortsbeamte Sprenger

1828
Der Winter war ziemlich abwechselnd, und noch spät, d. 3. April, am grünen Donnerstage, fiel des Abends tiefer Schnee, und auch am Osterfeste lag Schnee. Der Frühling war übrigens recht erwünscht, und der Sommer ein wenig zu trocken; daher kam es denn auch wohl größtentheils, daß der Flachsbau und das Stroh nicht sehr ergiebig waren. Uebrigens gab es ziemlich Korn, und dabei gute Preise desselben, der Roggen p. Scheffel 1 rt und die Gerste 22 Sgr. Im October gab es vielen und anhaltenden Regenweshalb die Kartoffelernte ziemlich verspätet wurde, und schon am Ende October zeigte sich starker Frost. Üebrigens war in der folgenden Zeit dieses Jahres eine erwünschte, meistentheils gelinde Witterung. In diesem Jahre wurden auf den so genannten Schächten vier neue Häuser erbaut.


Das Jahr 1829

Das Jahr 1829 begann gleich am ersten Tage mit Schnee, und es gab einen anhaltenden Winter, worin tiefer Schnee fiel. Die Kälte war mitunter sehr strenge, und eines Tages auf 19 Grade gefallen. In dieser Zeit brach hier das nervöse Brustfieber aus, es wurde epidemisch, weshalb die Schule auf einige Zeit mußte geschlossen werden. - Gegen das Ende des Monats Mai erschien eine neue Festordnung, welche nach einer bischöflichen Verfügung vom 16. Mai am ersten Sonntage nach dem Empfange derselben in der Kirche verkündigt, und unverzüglich in Vollzug gesetzt wurde. Nach dieser Verordnung wird in hiesiger Gemeinde das Fest des h. Johannes des Täufers nicht mehr gefeiert, dagegen ist neuerdings verordnet das Fest des h. Josephs auf Mittwoche nach Jubilate, welcher Tag zugleich ein Bettag um glückliche Erndte ist. - Im Sommer gab es viel Regen, der Flachs, welcher hier für die meisten ein Hauptnahrungszweig ist, wurde größtentheils von Raupen zerfressen, die auch auf verschiedenen Feldern das Raufutter beschädigten. Diese Raupen zeigten sich gegen das Ende des Monats Juli auf einmal häufig, und wirkten nur einige Tage. Da dies eine ganz fremdartige Erscheinung war, so hielt man größtentheils für rathsam, den Flachs zu ziehen, damit derselbe nicht ganz verloren gehe; allein es wurde auf diese Art nichts gewonnen. Da derselbe noch unzeitig war, und die Raupen sich nur wenige Tage hielten, so wäre es besser gewesen, wenn man den Flachs hätte stehen lassen, und noch besser, die Raupen fleißig, jedoch mit aller Vorsicht, abzuschütteln. Uebrigens stand der Flachs, bevor er von den Raupen angefallen wurde, ungemein gut, da der häufige Regen ihm günstig war. Es verdienst noch bemerkt zu werden, daß in der Nähe des Dorfes die Raupen dem Flachse wenig oder nichts geschadet haben. - Die regnerische Witterung dauerte zur Erndtezeit anhaltend fort, und deshalb hatte man Mühe, die Früchte einzubringen, um so mehr, da die Fahrwege schlecht zu passieren waren. Auch sah es mit der Kartoffelerndte traurig aus, da sie größtentheils bei nasser Witterung vor sich ging, und wegen des nassen Sommers einigermaßen fehl schlug. - In der Mitte des Monaths October (d. 15ten) sah man des Morgens schon Schnee, und es hatte gefroren. allein der Schnee ging noch an nämlichen Tage alsbald wieder fort, und gegen Ende gedachten Monats war die Witterung ziemlich gut. Am ersten November war wieder ziemlich Schnee gefallen, der 2 Tage hindurch die Erde bedeckte. Gegen Martini gab es anhaltendes Frostwetter, und gegen Ende des Jahres viel Rauhfrost mit Schnee.
Der Roggen galt i ndiesem Jahre p. Scheffel 1 rt. Auch wurde in diesem Jahre mit der königl. hochlöblichen Regierung ein auf 15 Jahre geltender Vergleich in Betreffs der Holzgerechtsame abgeschlossen, welche die Einwohner von Bleiwäsche, Wünnenberg und Leiberg in den hiesigen Landesherrlichen Forsten von jeher gehabt haben, wovon in der Folge Mehreres wird gesagt werden. Die Anzahl der Häuser vermehrte sich um eins, welches im Frühjahre auf den sogenannten Schächten errichtet wurde. Es besteht also, mit Einschluß dieses Hauses, die hiesige Gemeinde aus 90 Wohnhäusern und einer Mahlmühle.

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